Die besonderen Momente …
Vor vielen Jahren, Anfang der 80er, war ich auf den Schriftsteller Mika Waltari aufmerksam geworden. Ein Studienkollege lieh mir “Sinuhe der Ägypter” und ich liebte diese Art, den Leser in alte Zeiten zu führen.
Wenig später fand ich dann das Buch “Turms der Unsterbliche”. Ebenfalls von Mika Waltari beschrieb es das Leben eines Etruskers. Lange ist es her, dass ich das las, aber eins ist mir über all die Jahre in Erinnerung geblieben:
Turms hob immer dann, wenn er an einem besonderen Punkt in seinem Leben angekommen war, einen Stein auf, den er mitnahm und einer ganzen Sammlung solcher Steine einverleibte. Diese Steine sollten nach seinem Tod in einer Schale seinem Grab beigegeben werden. Und wenn er dann in einem späteren Leben wieder käme, so würde er vielleicht diese Steine finden und sich, wenn er einen nach dem anderen in der Hand hielt, an die entscheidenden Stationen des vergangenen Lebens erinnern.
Diese Vorstellung fasziniert mich bis heute. Was, wenn ich schon einmal gelebt habe und irgendwo die Steine eines oder mehrerer vergangener Leben darauf warten, von mir gefunden zu werden? Was, wenn andere das ähnlich gemacht haben (es müssen ja nicht Steine sein), kann ich etwas davon erspüren? Ist es überhaupt notwendig, diese Steine bewusst zu sammeln, oder haben wir in vergangenen Leben auch unbeabsichtigt Spuren hinterlassen, die uns jetzt rufen, denen wir begegnen?
Und natürlich die ganz alte Frage: lässt sich Wissen und Erkenntnis tatsächlich so vermitteln? Wenn ich wirklich meine Steine gefunden hätte, hätte ich mir damit Erfahrungen in diesem Leben ersparen können?